abgewittertes / gestocktes Holz

Dies ist eine besondere Art der Holz-"Behandlung", da sie in der Regel eher zufällig, als geplant stattfindet.

Oft kann Holz nicht so schnell wie geplant verarbeitet werden und ist deshalb vielleicht auch nicht optimal gelagert und zeigt somit nach einigen Monaten oder Jahren einen fortgeschrittenen Verrottungsstand. Wie sich diese "Behandlung"  auf das Holz auswirkt, hängt natürlich auch vom Glück ab. Manchmal wird man wunderbare, von Pilzen erzeugte Verfärbungen im Holz finden, manchmal wird man es einfach nur noch verbrennen oder kompostieren können.

Man kann Holz auch bewusst für bestimmte Zeit einer speziellen Bedingung unterwerfen (z.B. Erdkontakt) um besondere Strukturen im Holz zu erzeugen, aber auch hier spielt das Glück immmer mit.

Eigentlich ist dieser Abschnitt keine Fortführung der drei Kategorien, wie man Holz nass, vorgedrechselt oder trocken verarbeitet. Denn das hier besprochene Holz kann innen noch sehr nass sein und muss genau, wie in den genannten drei Kathegorien bearbeitet werden. Trotzdem möchte ich es aufgrund seiner Besonderheiten hier separat besprechen.

Im Falle unseres Apfelbaumes waren auf oben genannte Lagerweise nach drei Wintern noch ein paar kleine und mittlere Stücke verfügbar, aus denen die folgenden Objekte entstanden sind.

- Vase 1

Der Rohling zu dieser Vase war eine Astgabel, die eher trocken lag. Daher sind einige ausgeprägte Risse zu sehen und weniger Fäulnis. Das Holz war noch völlig fest.

Allerdings zeigte der Apfelbaum von Anfang an an vielen Stellen eine schwärzliche Verfärbung (Fäulnis ?), die am ausgeprägtesten an den von Ameisen ausgehöhlten Stellen zu sehen war. Solche schwarzen, schmutzig wirkenden Verfärbungen waren auch an diesem Stück  unter der Rinde in der Astgabelung stark vorhanden. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, diese Fläche mit Fingergold zu belegen, um eine Aufhellung zu erzielen.

Die Lage der Astgabelung im Werkstück ist in der Bildern unten gezeigt und am dunkelbraunen Kernholz zu erkennen. Die Pfeile zeigen Lage und Wuchsrichtung der beiden Äste.

Die Verzweigungsstelle des Kerns (Markröhre) lag wohl 10-20 cm unter dem Boden der Vase.

Im Holzbild findet man viele interessante Details  ...

...  kleine, überwallte Totästchen  ...

...  einen großen überwallten Totast und die besagten schwarzen Verfärbungen, Weißfäule am Hauptast  ...

...  und eine schöne Wimmerung, die im Holz und an der Bastfläche zur Rinde gut zu erkennen ist. Diese entsteht hier im Bereich zwischen den verzweigenden Ästen, wo das Holz im Wachstum gegeneinander drängt.

Die Wandstärke der Vase liegt im mittleren und unteren Bereich bei oder etwas unter einem Zentimeter. Im oberen Bereich liegt sie aufgrund der unsymmetrischen Bastfläche stellenweise bei etwa 2 cm.

top

H x D = 15 cm  x  13 cm

- Vase 2

Der Rohling dieser Vase war ein gekrümmtes Aststück. Die Wuchstruktur dieses Stücks ist gleichmäßiger, als bei Vase1; daher sind auch nur weniger und schwächere Risse aufgetreten. Das Holz war noch völlig fest, doch waren auch hier erste Weißfäulestellen zu sehen.

Die Ein- und Austrittsstelle des Astes sind klar zu sehen; der Ast läuft mit einem leichten Bogen zum Vasenboden hin durch das Holz.

Das Stück zeigt im Gegensatz zu Vase1 keine überwallten Toräste, dafür einige Stellen, an denen mehrere kleine Ästchen bis unter die Rinde gewachsen sind und gerne ausgetrieben wären. Solche Stellen nennt man Maserholz, weil hier im Anschnitt die Maserung um die vielen Ästchen ständig die Richtung wechselt und so ein sehr lebhaftes und reizvolles Maserbild entsteht. Die Spitzen an  der Vasenöffnung sind auch solche Ästchen.

Und auch hier Wimmerwuchs.

Wer diese Vase selbst in Händen halten kann, wird im Inneren Leimstellen erkennen. 

Bei den letzten Schnitten im Vaseninneren habe ich durch eine Verkantung des Werkzeugs die Vase vom Zapfen (am Boden) gerissen. Da ich die Vase aber doch recht interessant fand und der Boden sich ziemlich unauffällig wieder einleimen ließ, habe ich mich entschlossen, die Vase auch fertigzustellen. Eine weitere Bearbeitung der Innenseite ist aber nicht mehr erfolgt.

Die Wandstärke liegt bei 0,5 bis 2 Zentimeter.

bottom

H x D = 14 cm  x  13 cm

- Kugeln

Aus Holzstücken, die für "normale" Drechseleien kaum oder nicht zu gebrauchen sind, weil sie zu klein, zu gerissen, zu verwachsen, zu krumm, zu verwittert, zu löchrig, etc.  sind, kann man oft immer noch Kugeln machen. Die "Fehler" des Holzes können dann auf der Oberfläche der Kugeln zu Akteuren werden, die Vielfältiges über dieses Stück Holz erzählen können und es manchmal zu einem besonders reizvollen Objekt machen, das einfach nur angeschaut (und vielleicht auch angefasst) werden will.

Alle vier Kugeln sind frei Hand und nach Auge gedrechselt.

Sie Zeigen die gleichen Details, wie sie bei den beiden Vasen beschrieben wurden.

K 1

11 cm

K 2

14 cm

K 3

15 cm

K 4

16 cm

- Schalen

Zwei Aststücke waren - wie sich beim Auftrennen herausstellte - recht gleichmäßig von Weißfäule durchzogen.Es bot sich an, daraus zwei Schalenpaare zu drechseln.

Das größere Stück war noch recht nass, so dass es nötig war, die beiden Schalen vorzudrechseln und erst nach einer Zwischentrocknung fertigzustellen.

Hier eine der beiden vorgedrechselten und stark verzogenen Schalen.

Das kleinere Stück war trockener, so dass weniger Verzug zu erwarten war. Und auch aufgrund der geplanten eher kugeligen Form    würde sich  ein Verzug weniger auffällig entwickeln .

Alle vier Stücke zeigten bereits Risse, die sich beim weiteren Trocknen weiter öffnen würden. Die Risse wurden daher mit Sekundenkleber stabilisiert.

Durch die Weißfäule verliert das Holz zunehmend an Festigkeit, wodurch sich beim Drechseln stellenweise Ausrisse nicht immer vermeiden lassen.

Schalenpaar 1

15 cm x 6 cm

Schalenpaar 2

24 cm x 5 cm;   22 cm x 5 cm

- Teller

Ein kleines Stück aus dem Hauptstamm ermöglichte noch einen kleinen Teller. Das Holz ist eher gleichmäßig gewachsen, mit einer schönen braunen Farbe, die etwa auf der Hälfte der Fläche auch von der oben genannten, schwarzen Fäule betroffen ist. Auf der Tellerunterseite findet sich ein von der Weißfäule eroberter und von dieser mit einer schönen schwarzen Linie abgegrenzter Bereich, direkt neben einem von der Schwärze befallenen alten Ameisengang.

Die Tellerfläche ist von einer  feinen Riegelung belegt.

Beim Trocknen des ohnehin nicht großen, vorgedrechselten Tellers gab es massiven Verzug, so dass letztlich nur ein kleines, aber feines Tellerchen übrig blieb.

klein und  fein

18 cm x 3 cm