vorgedrechseltes Holz

Wenn größere Objekte entstehen sollen, die nicht verzogen sind, gibt es die Möglichkeit des Vordrechselns.

Das nasse Holzstück wird dabei in eine Form gebracht, die der finalen bereits ähnelt, aber in alle Richtungen deutliches Aufmaß aufweist. Nach Trocknung und Verzug wird dann erneut aufgespannt und fertig gedrechselt, Dieses Objekt verzieht sich dann nicht mehr nennenswert.

Mit dieser Technik wird zum einen viel Holz entfernt, was dann auch nicht mehr trocknen muss; damit geht die Trocknung gleichmäßiger und schneller (Faustregel: pro Jahr trocknen 2,5cm !). Und zum zweiten kann sich die vorgedrechselte und dünnwandigere Struktur beim Trocknen leichter verformen, anstatt zu reißen. Das Ganze ist eine kleine Gratwanderung, denn drechselt man zu wenig vor, reißt der Rohling, drechselt man zu weit vor, wird die Verformung so stark dass später kein rundes Objekt mehr gedrechselt werden kann. Hier muss man immer mit Verlust rechnen.

Ein weiterer bedeutender Faktor ist, wie gleichmäßig das Holz gewachsen ist. Wie bereits oben erwähnt, komplizieren Rindeneinschlüsse, große Äste, Überwallungen, Hohlräume, etc. das Trocknungs und Spannungsgeschehen deutlich; für vorgedrechselte Objekte eignen sich also vor allem gleichmäßig gewachsene Holzstücke.

- Schale 1

Dieses Stück aus der Hauptverzweigung weist einen relativ gleichmäßigen Wuchs und wenig Fäulnis auf und es ist das einzige größere derartige Stück von diesem Baum.

 

Anzeichnen der Schalenposition für den weiteren Zuschnitt  ...

...  Ecken weg  ...

...  und auf die Drechselbank.

Unterseite, 2x Oberseite und fertig vorgedrechselt.

Drechseln der Unterseite und des Zapfens  ...

...  und Aushöhlen von der Spindelseite, soweit es die Planscheibe zuläßt,  ...

...  Umspannen auf Zapfen und weiteres Aushöhlen.

Eine feine Bearbeitung der Oberfläche oder gar Schleifen erfolgt nicht, da die rohe Schale später komplett überdrechselt wird. Jetzt kann das Teil getrocknet werden. 

Diese Trocknung soll möglichst langsam, gleichmäßig und schonend erfolgen. Trotzdem muss verhindert werden, dass die Oberfläche zu lange zu feucht bleibt, da dieses Holz zur Schimmelbildung neigt und der Schimmel zu unschönen Flecken führen kann.

 

Bereits nach einigen Tagen zeigen sich erste Risse, die mit Sekundenkleber stabilisiert werden; dies hilft oft, die weitere Rissausbreitung zu be-/verhindern.

 

Es ist gut zu sehen, dass sich die Risse an den Ungleichmäßigkeiten im Holz bilden.

 

Bei einer Wandstärke von 5-6cm ist jetzt mit einer Trocknungszeit von 1-2 Jahren zu rechnen.


...  sieben Monate später  ...

Die Risse wurden zwischenzeitig noch einmal mit Sekundenkleber stabilisiert und haben sich freundlicherweise nur wenig weiterentwickelt.

Am Zapfen hat sich ein Riss gebildet; hier, wo das Holz sprungartig dicker wird, ist natürlich eine kritische Stelle für Risse.

Auf dem Zapfen sind auch die Gewichte des Rohlings notiert, womit der Gewichtsverlust durch das Trocknen und ein Annähern an das Feuchtegleichgewicht dokumentiert werden kann.

Hier ist das Gewicht (in Gramm) über die Zeit aufgetragen. Nach anfänglich schnellem Gewichsverlust passiert inzwischen nicht mehr viel; allerdingswürde in den nächsten Monaten sehr wohl eine weitere Trocknung und damit auch ein weiterer Verzug stattfinden, aber diese Effekte sind nicht mehr groß, und wir wollen unsere Geduld nicht überstrapazieren.

Die vorgedrehte Schale hat sich beim Trocknen kräftig verzogen; das Verhältnis von langer zu kurzer Seite beträgt 420mm : 402mm

Auf den Video sieht man den sehr unrunden Lauf beim erneuten Aufspannen auf die Drechselbank.

Jetzt muss wieder rund gedrechselt werden ...

wuchtig

B x H  =  38 cm x 9 cm

- Schale 2

Dieses Stück aus der Verzweigung ist kleiner als das erste, weist aber einen recht ungleichmäßigen Wuchs auf.

 

 

Es zeigt im ersten Bild einen zentralen Ast, der auch schon Fäulnis aufweist, aber eher klein wirkt.

Im Anschnitt innen sieht man, dass er doch recht massiv ist und außen präsentiert er sich gar als überwallter Totast.

Das sind eher ungünstige Voraussetzungen für die Trocknung.

Bald entwickeln sich freudig Risse ...

...  vielleicht kann der Sekundenkleber sie aufhalten.


...  sechs Monate später  ...

Die stabilisierten Risse haben sich kaum weiterentwickelt, aber es sind neue Risse entstanden.

Diese Schale wird ohnehin ein rustikaleres Stück, da gehören die Risse eben dazu;

auf jeden Fall hat die Trocknung die Schale nicht zerstört.

Die Gewichtsabnahme ist auch hier schon weit fortgeschritten, allerdings weniger stark, als bei Schale 1.

Eine weitere Trocknung mit Verzug wird stattfinden, aber sicher nicht sehr markant, so dass ich mit der Fertigstellung der Schale fortfahre.

derb

B x H  =  27 cm x 10 cm