nassgedrechseltes Holz

Eine Möglichkeit, das Reißen beim Trocknen bei größeren Objekten zu verhindern ist, die Objekte (z.B. Schalen oder Gefäse) naß, aber mit ziemlich dünnen Wandstärken direkt fertigzudrechseln. Dabei entstehen beim Trocknen genauso Spannungen, die aber (wenn die Wandstärken dünn genug sind) nicht zu Rissen, sondern nur zu einem Verzug des Ojektes führen. Beim Drechseln steht der Drechsler dann durchaus in einer Apfelsaftdusche, denn das freie Wasser wird durch die Fliehkraft aus dem Holz geschleudert. Dafür kann bei dieser Technik der alte Apfelbaum seine inneren Eigenschaften noch aktiv in die Form des fertigen Gefäßes mit einbringen, denn die Wirkung des Verzugs wird vom Drechsler zwar durch die gewählte Form mit beeinflusst, aber letztlich gestaltet das Holz durch den Trocknungsverzug die Form wesentlich mit.

Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass die Objekte relativ schnell fertiggestellt werden können. Nach dem Drechseln des nassen Holzes muss nach Abtrocknung der Oberfläche geschliffen werden, kurz danach kann in der Regel die Oberflächenbehandlung erfolgen. Dann ist das Werkstück fertig bearbeitet und kann sich in den folgenden Wochen mit der Trocknung bis auf eine Gleichgewichtsfeuchte noch endgültig verziehen.

 

- Kleine Schalen ...

... können aus längs halbieren Aststücken gedrechselt werden.

Platziert man die Höhlung der Schale auf der Rindenseite, entstehen sogenannte Naturrandschalen, deren Rand von der Rinde des Baumes gebildet wird.

Damit die Rinde auch zur Geltung kommt, sollte sie normalerweise nicht zu dünn sein; um ein Reißen der Schale zu verhindern, darf sie aber auch nicht zu dick sein ...

Platziert man die Höhlung der Schale dagegen auf der Innenseite und den Klemmzapfen auf der Rindenseite, entstehen Schalen mit glattem, gedrechseltem Rand.

Der Verzug führt bei beiden Schalentypen in dieser Größe (ca. 20cm) zu einer gewissen, aber nicht sehr markanten Verformung.

Und das sind die entstandenen fünf kleinen Schalen:

charmant

21 cm

solide

21 cm

schwungvoll

21 cm

kräftig

20 cm

lebendig

20 cm

- drei große Gefäße

Der Verzug wird problematischer, wenn die Objekte größer und strukturierter werden (Rindeneinschlüsse, große Äste, Überwallungen, Hohlräume, ...); dann kann er markante Formveränderungen bewirken, und auch das Rißrisiko wächst.


Werdegang eines Objekts:

Nach dem Grundzuschnitt, bei dem soviel Morsches wie nötig entfernt wurde, um ein stabiles Gefäß drechseln zu können, und soviel Holz wie möglich belassen wurde, wird der optimale Mittelpunkt ausgezirkelt. Kriterium dabei ist, das Holz möglichst gut auszunutzen und möglichst gut zur Geltung kommen zu lassen.

Und los geht's  ...

...  da entstehen Massen von Spänen  ...

...  und um einen gleichmäßigen Verlauf der Wandstärke zu bekommen, muss ab und zu kontrolliert werden.


Werdegang eines weiteren Objekts:

Im Unterteil dieses Klotzes steckt einiges solides Holz  ...

...  hier links  ...

...  aber in dieser Ansicht ist das Unterteil ganz schön zerklüftet  ...

...  nutzt nichts, also ab auf die Drechselbank und erst mal rund machen  ...

...  wenn an dieser Stelle noch mehr weggedrechselt wird, öffnet sich der morsche Kern und das Gefäß bekäme eine komplett offene Seite; das wäre sehr instabil und würde wohl auch nicht gut aussehen  ...

...  das gibt ohnehin einen ganz wilden Gefäßrand.

Am außen vorgeformten Rohling wird reitstockseitig wieder ein Zapfen angedrechselt, zum Umspannen und dünnwandigen Aushöhlen. Danach darf die Schale einige Zeit trocknen.

Die getrocknete Schale hat sich ordentlich verzogen und kann jetzt nicht mehr bedrechselt werden. Die Berührung mit einer Werkzeugschneide wäre tötlich für das Objekt.

 

Lediglich der ebenfalls verzogene Spannzapfen muss noch vorsichtig in einer speziellen Spannung umgearbeitet, bzw. beseitigt werden.

(Gefäß  "komplex")

Die überaus aufwändige Schleifarbeit an einem solchen Objekt sei hier nur erwähnt ...

Und das sind sie:

komplex

B x H  =  31 cm x 17 cm

kernlos

B x H  =  26 cm x 13 cm

klaffend

B x H  =  ca. 30 cm x 6 cm

leider wurden von dieser Schale keine Bilder gemacht,

aber wenigstens ist ein Bild des Rohlings verfügbar.

- eine Vase

Zwischen den beiden Ästen einer Gabelung ist die Situation für das frisch wachsende Holz immer schwierig, da es im Kontaktbereich gegeneinander drängt. In dieser Verdrängungssituation entstehen daher interessante Maserbilder, die selbst schlichten Hölzern beachtliche Struktur verleihen können.

Diese Vase ist längs aus einer Astgabel gefertigt und zeigt die Schönheit derartiger Maserung.

Die am oberen Rand erhaltene Rindenkante stammt genau aus der Verzweigung.

Zum Aushöhlen kann man vorbohren; das erleichtert das mühsame Aushöhlen.

Durch den großen Abstand, den die Werkzeugspitze (beim Aushöhlen) vor der Werkzeugauflage hat, entstehen deutliche Hebelkräfte; dadurch ist das Ausarbeiten der Wandstärke auf einige Millimeter und in die volle Tiefe der Vase nicht mehr ganz simpel.

elegant

H  =  22cm

- ... hätte ein schönes Gefäß werden können ...

Bei weitem nicht immer verlaufen die Ereignisse, wie gewünscht. Beim Drechseln dieses Gefäßes führte eine Unaufmerksamkeit im Umgang mit dem Werkzeug zur schlagartigen Zerstörung des fast fertig gedrechselten Objekts.

Auf dem ersten Bild ist noch alles in Ordnung. Was da so wild aussieht, sind nur Drechselspäne, die von der Fliehkraft weggeschleudert werden sollten, aber am Gefäßrand hängen geblieben sind.

Aber ein zu unsensibles Eingreifen des Werkzeugs in die dünne Gefäßwand führt zur Zerstörung  ...